djuna

Fast zwei Jahre lebe ich hier nun schon mit meinem Weibchen zusammen.
Kinder, wie die Zeit vergeht. Aber Zeit war immerhin unser bester Freund - um genauer zu werden: sie war mein bester Freund. Ja, ich brauchte Zeit.
Zeit, um Vertrauen zu fassen und um zugänglich zu werden. Mein Weibchen hatte sie, diese Zeit. Mit Geduld hat sie sich in mein Katzenherz geschmuggelt und ist dort nun fest verankert. LeserInnen meines Tagebuches wissen, wovon ich maunze.

Wir beide kommen jetzt jedenfalls wunderbar miteinander aus, solange wir alleine in meinem Revier sind. Zum Leidwesen meines Weibchens verziehe ich mich noch immer, sobald es an der Tür schellt und ein zweites, menschliches Wesen sich Zutritt verschaffen will.
Ihr denkt, ich würde in die Küchenecke flüchten?
Nein, nein, ganz verkehrt. Da würde ich mich nicht mehr rein zwängen wollen. Ich hatte mit meinem Weibchen ein stilles Abkommen getroffen, dass; ich diese Ecke nicht mehr benötige und sie diese verschließen kann. Nein, ich verschwinde entweder unter dem Bett oder hinter dem Sofa. Hinter dem Sofa aber bloß dann, wenn ich es nicht rechtzeitig ins Schlafzimmer schaffe. Ich bleib auch nicht lange dahinter, sondern lauer’ auf die erstbeste Gelegenheit, um schnell aus dem Wohnzimmer zu huschen.

Manchmal, wenn ich in sehr guter Laune bin, darf das andere Weibchen - es ist die Tochter - mich sehen. Ich bin dafür schon mal extra ganz mutig aus dem Bettenzimmer ins Wohnzimmer und habe sie minutenlang observiert.
Sie verhält sich dann eigentlich ganz sympathisch: starrt nicht zurück, sondern blinzelt oder schaut weg. Sie bewegt sich kaum, spricht nur leise mit mir. Hin und wieder darf sie mich sogar vorsichtig streicheln. Das lasse ich meist zu, wenn ich statt unter dem Bett mal auf dem Bett liege und sie sich vorsichtig genug nähert. Es ist erstaunlich, welch Grinsen ich allein damit schon auf die Gesichter zaubern kann.

Aber mehr läuft da bitteschön nicht!

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